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Gedanken an ein (selbst nur zeitweises) Leben im Ausland

Wer wie ich schon einmal längere Zeit im Ausland gelebt hat, wird dieses Gefühl vielleicht kennen, das mich zurzeit stark beschäftigt. Es ist das Bewusstsein darüber, dass man nie alles haben kann.

Mein Jahr in Japan ist schon mehr als drei Jahre her und doch verspüre ich immer noch eine starke Verbundenheit zu den Menschen, die mich während dieses Jahres begleitet haben und mir dazu verhalfen, dieses Jahr einzigartig für mich zu gestalten. Natürlich ist jedes Jahr ein einzigartiges, ein besonderes. Aber dieses Jahr in Japan ist deshalb einzigartig, weil ich unglaublich viel Neues erlebt habe und die Eindrücke umso stärker auf mich gewirkt haben. Nachdem ich aber nach Deutschland zurückgekehrt bin, konnte ich natürlich nicht mehr so weiter leben, wie ich es in Japan gewohnt war. Ich musste wieder „deutsch“ leben.

Und nun bin ich in Russland seit gut sieben Monaten und es bleiben nur noch knapp drei Monate übrig. Auch jetzt spüre ich wieder dieses Gefühl, dass man sich ständig entscheiden muss. Man kann nicht einfach nach Deutschland zurückkehren und ein kleines Stück Russland mitnehmen oder einen Teil seines Lebens wie in Japan leben.

Man ist entweder in Deutschland ODER in Japan ODER in Russland. Es gibt kein ALLES. Das ist das traurige an all den schönen Erfahrungen, die man im Ausland machen kann. Das ist der große Tribut, den der Auslandsaufenthalt fordert. Das Wissen um die Einmaligkeit jedes Augenblickes. Wie schön wäre es, sein ganzes Leben auf einem Film aufzuzeichnen, damit man, wenn man Lust dazu hat, sich alles anschauen und alle Momente von neuem erleben kann. Oder wenn das Leben wie ein Spiel wäre, in dem man zwar Entscheidungen treffen muss, am Ende aber noch einmal von vorne anfangen und neue, andere Entscheidungen treffen kann, um alle möglichen Varianten durchzuspielen.

Die Fragen, die mich zurzeit stark beschäftigen, sind: Wie sieht das Leben eines Menschen aus, der sich in mehreren Ländern zu Hause fühlt? Wie kann er all seine lieben Menschen, die quer über den Globus verteilt leben, gegensätzliche Lebenswesen, Mentalitäten und Lebenseinstellungen haben, unter einen Hut bekommen? Wie kann er Freundschaften erhalten und pflegen?
Und: Wo lebt er? Mal in allen drei Ländern? Nur in einem? Oder in einem ganz anderen?

Man hat leider nur ein Leben. Man kann nicht alles haben. Deshalb muss man jeden Augenblick auskosten und schätzen. 一期一会

(Das ist ein japanisches Sprichwort, dass das ganz gut zusammenfasst – es bedeutet: Ein Leben – ein Treffen. Es ist ein zenbuddhistisches Sprichwort und kommt aus der Teezeremonie und beschreibt genau meine „Erkenntnis“ – man soll jedes Treffen, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde so leben, als wäre es die einzige und sie somit so hoch wie möglich schätzen.)

25.3.13 14:39
 
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